Die 175-Jahr-Feier

Am 22.6.2013 ging es um 18 Uhr los. Dass es auch für uns, das Solidaritätskomitee los ging, verdanken wir der an uns gerichteten Einladung. Wir durften als »Fremde« an diesem Betriebsjubiläum, das mehr den Charakter einer Familienfeier hatte, teilnehmen. Dafür unser ganz besonderer herzlicher Dank, denn so wurden wir Zeugen einer ganz besonderen Veranstaltung.
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Es setzte sich fort, was wir schon in den Monaten seit Oktober immer wieder erfahren durften: nämlich, dass diese »Talbötter« ein ganz besonderes und liebenswertes Volk sind. Von Beginn an fühlte man sich dazugehörig; und es ist schon ungewöhnlich, dass sich Beschäftigte einer Firma wie eine Familie fühlen. Vielleicht war dies auch ein Baustein zum Erfolg und wir hoffen, dass die neue Gesellschaft „Talbot-Services GmbH« am 1.Juli so weitermacht und sich auf den Weg in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft begibt.

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Ein wichtiger Punkt dabei ist auch der Name der neuen Firma. Frau Grass-Talbot hat zugestimmt, dass ihr Familienname nun wieder verwendet wird. Nach der Übernahme durch Bombardier war der Name Talbot für 18 Jahre von den offiziellen Dokumenten verschwunden, aber gefühlt haben sie sich immer als »Talbötter«. In ihrer Ansprache meinte sie dann auch, dass ihr Vater stolz auf diese Belegschaft gewesen wäre.
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Vor Beginn des offiziellen Teils durfte das Soli-Komitee ihr dann auch einen Vorabdruck der »Chronologie des Arbeitskampfes für den Erhalt des Talbot-Werks in Aachen« überreichen. Kollege Max hat die ganzen Monate hindurch Texte geschrieben, Veranstaltungen dokumentiert, Fotos und Dokumente gesammelt, die den eindrucksvollen Widerstand gegen eine von allen für unsinnig gehaltenen Entscheidung aufzeigen.

Aus dem Vorwort: »Ein solches Werk mit seinen 600 Mitarbeitern zu schließen, das verstößt in gewisser Hinsicht gegen jede ökonomische Vernunft. Trotz alledem entschied sich die Unternehmensleitung von Bombardier im Herbst 2012 eben dies zu tun.
Es ist die Geschichte eines kanadischen, weltweit operierenden Konzerns, der das Aachener Werk in den 90er Jahren aufkaufte, es in den Folgejahren systematisch zerschlug und das Werk schließlich mit Verweis auf schlechte Unternehmenszahlen aufgab, ohne aus dem fernen Kanada oder Berlin jemals einen Blick auf das regionale und persönliche Potential des Werkes geworfen zu haben.
Es ist aber auch die Geschichte der Belegschaft, des Betriebsrates, der Gewerkschaft, der Politik und nicht zuletzt der Aachener Bürger, die sich mit ihrer persönlichen Verbundenheit zu dem Aachener Werk, welche dem Konzern fehlte, hinter den Wunsch »Wir bleiben« gestellt haben, so dass am Ende eine alternative Lösung und ein Fortbestand des Werkes gesichert werden konnte.«

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Die Liste der Gäste, die Dirk Reuters, der neue Geschäftsführer, in seiner Grußansprache persönlich erwähnte, war lang. Das liess erahnen, wie komplex die Verhandlungen gewesen sind, was alles passen musste und wie viele Menschen daran gearbeitet haben, bis am Ende die Unterschriften unter die neuen Verträge gesetzt werden konnten.

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Eine durch die Monate hindurch offen gebliebene Frage wurde schließlich auch noch beantwortet: Die Talbötter können nicht nur kämpfen, sie können auch feiern! So wurde ohne Blick auf Uhr oder Tarifvertrag weit länger gefeiert als eine Schicht. Es waren überaus angenehme »Überstunden«. Vielen Dank für den grandiosen Abend! In sieben Kalendertagen bzw. fünf Werktagen seid Ihr wieder Talbötter: Glückwunsch!

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Berichte zur Jubiläums-Feier:
Aachener Zeitung
Aachener Nachrichten
Lokalzeit Aachen: Die Geschichte der Firma Talbot
(Bericht von der Feier vorher bei 13:55)